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Beratungsstelle für Frauen und Mädchen bei sexualisierter Gewalt

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Auf dieser Seite informieren wir zunächst über Hintergründe und mögliche Folgen von sexualisierter Gewalt. Sexualisierte Gewalt ist überwiegend Gewalt von Männern gegen Frauen, daher schreiben wir hier von dem Täter.

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Mädchen/Hintergründe

Erste Informationen

Alltäglich sind viele Frauen und Mädchen den unterschiedlichen Formen von sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Dazu gehören z.B. verbale und körperliche Angriffe auf der Straße, sexuelle Belästigungen am Arbeitsplatz, über das Telefon oder Internet, Zwangsprostitution, sexueller Missbrauch in der Kindheit, sexuelle Nötigungen und Vergewaltigungen.

Sexualisierte Gewalt wird selten von ganz fremden Männern verübt. Ein Großteil der Täter (über 80%) kommt aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der betroffenen Frau oder des Mädchens. Betroffen sind Frauen und Mädchen jeden Alters, unabhängig von ihrem Äußeren, ihrer sozialen Herkunft oder Lebensweise.

Alle drei bis fünf Minuten wird in Deutschland eine Frau oder ein Mädchen vergewaltigt.

Jede siebte Frau wird in Deutschland mindestens einmal Opfer einer Vergewaltigung. Jede zweite Frau erfährt mindestens eine weitere Form der sexualisierten Gewalt. Dieses erschreckende Ausmaß macht deutlich: Sexualisierte Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem. Jede Frau und jedes Mädchen kann Opfer werden.

Die Verantwortung für die Tat trägt immer der Täter allein

Sexualisierte Gewalthandlungen sind in erster Linie durchdachte Gewalttaten. Die Ausübung von Macht und Überlegenheit sind zentrale Motive von Vergewaltigungen. Der intime Bereich der Sexualität wird von den Tätern als Mittel gewählt, um die erniedrigende Auswirkung der Gewalthandlung zu erhöhen. Die meisten Täter planen die Gewalthandlung - oftmals, indem sie zur Ausübung der Tat das Vertrauen der Frau oder des Mädchens ganz bewusst ausnutzen. Täter wissen was sie tun.

Der häufigste Tatort ist die Wohnung

Vergewaltigungen werden zu jeder Tageszeit und größtenteils in sozialen Nahräumen verübt, am häufigsten in der Wohnung. Zumeist ist der Täter der (frühere) Ehemann oder (frühere) Partner, ein Freund, Bekannter, Nachbar, Kollege oder ein anderer Mann aus dem alltäglichen Umfeld. Frauen und Mädchen müssen sexualisierte Gewalt also gerade dort erleben, wo sie sich eigentlich am sichersten fühlen - in ihren unmittelbaren sozialen Bezügen und von Männern, die ihnen bekannt oder gut vertraut sind.

Das Erleben einer Vergewaltigung bedeutet ein schwerwiegendes Trauma

Eine Vergewaltigung ist eine besonders extreme Form der sexualisierten Gewalt. Während der Gewaltsituation dominiert die Angst bis hin zu Todesangst - zusammen mit dem extremen Kontrollverlust über den eigenen Willen und Körper - zusammen mit der Ohnmacht, einem anderen Menschen schutzlos ausgeliefert zu sein. Eine solche Extremsituation versetzt das Opfer fast immer in einen Schockzustand. Die traumatische Erschütterung kann während und nach der Tat zu unterschiedlichsten Reaktionen führen: Einige Frauen weinen, wirken aufgelöst oder brechen zusammen; andere erscheinen ruhig, gefasst oder überkontrolliert. In Anbetracht der extremen Gewalterfahrung ist jede Reaktion und jedes Verhalten angemessen und normal.

Sexualisierte Gewalt verletzt körperlich und seelisch

Frauen und Mädchen bewältigen eine sexualisierte Gewalterfahrung individuell und unterschiedlich. Viele werden jedoch im Anschluss von quälenden Gefühlen überschwemmt: Scham, Ekel, Schuldgefühle, ungewollte Erinnerungen an die Gewaltsituation, Angst- und Panikattacken, Alpträume, beängstigende Unwirklichkeitsgefühle und Erinnerungslücken sind Beispiele dafür. Auch Depressionen, sexuelle Probleme, Essstörungen und der Rückzug aus sozialen Beziehungen sind häufige Folgen. Vergewaltigte Frauen und Mädchen müssen sich oftmals mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass die Tat zu einer Schwangerschaft und/oder zu einer sexuell übertragbaren Krankheit führen könnte oder geführt hat. Sexualisierte Gewalt kann langfristige und schwere körperliche, seelische und soziale Folgen haben. Statt mit Zuspruch, Verständnis und Unterstützung wird betroffenen Frauen und Mädchen z.T. auch heute noch mit Vorurteilen und Schuldzuweisungen begegnet. Dies macht es betroffenen Frauen und Mädchen noch schwerer, sich anderen Menschen anzuvertrauen und Hilfe zu bekommen.

Wenn Sie selbst Opfer einer Vergewaltigung oder einer anderen sexualisierten Gewalthandlung wurden, möchten wir Sie ermutigen, nicht allein zu bleiben

Reden Sie z.B. mit einer Freundin oder einer anderen Person, der Sie vertrauen. Auch wir wollen Ihnen Beratung und Unterstützung anbieten. Der Frauen-Notruf kann Ihnen auch dann helfen, wenn die Gewalterfahrung schon lange zurückliegt oder wenn Sie aktuell von sexualisierter Gewalt bedroht sind. Kontakt

 

 

 

 

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

"Sexuelle Belästigung ist jede Form von unerwünschtem Verhalten sexueller Natur, das sich in unerwünschter verbaler, nicht-verbaler oder physischer Form äußert und das bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen und Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird". Diese Definition stammt vom Europäischen Parlament und ist Bestandteil der europäischen Antidiskriminierungsrichtlinie.

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz reicht von anzüglichen Bemerkungen und taxierenden Blicken über scheinbar zufällige Berührungen bis hin zu sexueller Nötigung und Vergewaltigung. Auch das Versprechen beruflicher Vorteile bei sexuellem Entgegenkommen oder die Androhung beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung sind häufige Formen, mit denen Frauen am Arbeitsplatz sexuell belästigt werden. Die physische und psychische Grenze der Frau wird bewusst überschritten. Die Täter sind Kollegen, Vorgesetzte, aber auch Kunden oder Patienten.

Das Ausmaß

Das Ausmaß sexueller Belästigung am Arbeitsplatz belegt eine Studie vom Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit (1991). Danach wurden 75% aller befragten Frauen an ihrem Arbeitsplatz schon mindestens einmal sexuell belästigt.

Nach der oben genannten Studie musste:

  • Jede 2. Frau Hinterherpfeifen, taxierende Blicke und anzügliche Witze erleben
  • Jede 3. Frau Pokneifen oder -klapsen sowie pornographische Bilder am Arbeitsplatz ertragen
  • Fast jede 4. Frau das Anfassen Ihrer Brust erfahren

Folgen sexueller Belästigung:

Die Folgen sexueller Belästigung sind vielschichtig. Sie können physische und psychische Probleme hervorrufen, wie z.B. Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Selbstwertprobleme, Magen-Darm-Erkrankungen oder auch Depressionen und Essstörungen.

Um der Situation zu entgehen, kündigen viele Frauen oder sie lassen sich versetzen. Arbeitslosigkeit oder geringerer Verdienst sind häufige Folgen.

Wer sind die Opfer - Wer sind die Täter

Unabhängig von ihrem Aussehen und Verhalten kann jede Frau von sexueller Belästigung am Arbeitsplatz betroffen sein. Am stärksten sind jedoch Frauen betroffen, die sich in einer ungesicherten Position befinden. Dazu gehören z.B. Frauen, die erst seit kurzem im Betrieb arbeiten, in einer niedrigen Position stehen oder in einem ungesicherten Arbeitsverhältnis tätig sind. Besonders stark gefährdet sind Auszubildende und Berufsanfängerinnen.

Sexuelle Belästigung wird von den Tätern oft ausgeübt, um Frauen am beruflichen Aufstieg zu hindern.

Die Täter sind durchschnittlich zwischen 40-50 Jahre alt und leben in einer festen Beziehung oder Ehe. Sie sind zumeist 10 Jahre und länger in dem Betrieb angestellt und verfügen über eine gesicherte Position.

WEHREN SIE SICH, DENN SIE SIND IM RECHT !

Das können Sie tun, wenn Sie sexuell belästigt werden:

  • Nehmen Sie Ihre Empfindungen ernst!
  • Bleiben Sie nicht alleine! Erzählen Sie Vertrauenspersonen, z.B. FreundInnen, ArbeitskollegInnen von der sexuellen Belästigung. Sexuelle Belästigung ist eine schwierige Situation für Sie, holen Sie sich professionelle Unterstützung, z.B. beim Frauen-Notruf oder stärken Sie sich mit einem Selbstbehauptungs- oder Selbstverteidigungskurs.
  • Versuchen Sie, sich sofort und offensiv gegen eine Belästigung zu wehren. Weisen Sie die Belästigung schon beim ersten Vorfall energisch zurück, wenn möglich so laut, dass andere den Vorfall mitbekommen.
  • Vielen Frauen fällt es schwer - aber Sie dürfen Sich auch körperlich wehren (z.B. durch eine Ohrfeige).
  • Notieren Sie sich Ort, Datum und Tathergang. Sie können z.B. einen Brief an den Belästiger schreiben, in dem Sie sein Verhalten entschieden kritisieren und zurückweisen. Behalten Sie eine Kopie und überreichen Sie den Brief am besten im Beisein von Zeugen.
  • Zeigen Sie dem Belästiger, dass Sie sein Verhalten nicht billigen. Drohen Sie mit einer Beschwerde.
  • Wenden Sie sich bei wiederholten Belästigungen an Vorgesetzte, zuständige Frauenbeauftragte oder MitarbeiterInnen des Betriebs- bzw. Personalrats.
  • Greifen Sie ein, wenn Sie Zeugin einer sexuellen Belästigung werden sollten.

Rechtliche Schritte

Jede belästigte Person hat das Recht, sich über sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz zu beschweren und darf daraus keine persönlichen oder beruflichen Nachteile erwarten! Dieses Recht ist verbrieft im"Gesetz zum Schutz der Beschäftigten vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz" (Beschäftigtenschutzgesetz).

Wenn Sie belästigt worden sind, können Sie folgende Schritte unternehmen:

  • Offizielle Beschwerde innerhalb des Betriebes/der Verwaltung, z.B. Vorgesetzte/r, Gleichstellungsbeauftragte, Personalrat.
  • Anzeige zur Strafrechtlichen Verfolgung
  • Klage beim Arbeitsgericht

Vor jedem rechtlichen Schritt empfiehlt es sich, eine professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, z.B. durch RechtsanwältInnen oder den Frauen-Notruf.

 

 

 

 

Sexuelle Belästigung am Telefon

Sexuelle Belästigung am Telefon ist Gewalt auf Distanz.

Sehr viele Frauen werden Opfer von sexueller Belästigung am Telefon. Der Umfang der Belästigung reicht von einer einmaligen Belästigung über regelmäßige Anrufe bis hin zu systematischem Telefonterror, der zu jeder Tages- und Nachtzeit ausgeübt wird.

Telefonische Belästigung kann in vielen verschiedenen Formen Ausdruck finden: Auflegen, Stöhngeräusche, Schweigen, sexuelle Anspielungen, Überredungsversuche zu sexuellen Handlungen, Drohung vorbeizukommen, Androhung von sexueller Gewalt usw.

Die Täter nutzen die Macht ihrer Anonymität.

Die Täter nutzen ihre Anonymität gezielt aus, um ihre Opfer zu verunsichern und sie in Angst und Schrecken zu versetzen.

Ein eindeutiges Täterprofil eines telefonischen Belästigers lässt sich nicht erstellen. Es gibt sowohl unbekannte Täter, die willkürlich die Nummer irgendeiner Frau wählen, als auch Täter, die den Frauen bekannt sind. Diese können z.B. Nachbarn, Kollegen oder Bekannte, aber auch Ex-Partner, oder Männer sein, die von der Frau abgewiesen wurden.

Häufig geben sich die Belästiger zunächst als Vertreter öffentlicher Stellen wie Polizei, Ämter, Schulen oder als Ärzte aus, um möglichst viele Informationen über die Frau zu erhalten.

Die Folgen telefonischer Belästigung können gravierend sein.

Telefonische Belästigungen bedrohen und es können, vor allem bei systematischer Belästigung, langfristige körperliche und seelische Beeinträchtigungen auftreten. Nicht selten gehen die Anrufe mit dem Verlust des Sicherheitsgefühls der Frauen einher. Sie reagieren zum Beispiel allgemein sehr ängstlich auf das Klingeln des Telefons, trauen sich nicht mehr den Hörer abzunehmen, oder fühlen sich in ihrer Wohnung und auch auf der Straße nicht mehr sicher. Viele Frauen fragen sich stets, was der Täter über sie weiß, ob er sie beobachtet usw. Dadurch verlieren betroffene Frauen nicht selten das Vertrauen in nahestehende Personen, da jeder der potentielle Täter sein könnte. Die Frauen stehen permanent unter Anspannung und leiden unter Ruhelosigkeit.

Was können Sie vorbeugend gegen telefonische Belästigung tun?

  • Sie können auf die Eintragung in Telefonbüchern, bei der telefonischen Auskunft und in sonstigen Verzeichnissen verzichten.
  • Wenn Sie auf einen Eintrag nicht verzichten möchten, können sie sich z.B. nur mit Ihrem Nachnamen und einem Buchstaben des Vornamens eintragen lassen.
  • Gehen sie möglichst zurückhaltend mit ihren persönlichen Daten um. Dies gilt für geschäftliche Kontakte, z.B. mit Banken, Versicherungen, Versandhäusern usw. aber auch für namentlich aufgegebene Inserate in der Zeitung, etwa bei der Arbeitssuche, bei Kaufangeboten oder bei Kontaktanzeigen.

Was können Sie als Opfer telefonischer Belästigung tun?

  • Wenn Sie einen Anruf als sexuelle Belästigung erkennen oder empfinden, legen Sie den Hörer direkt und kommentarlos auf.
  • Ein kräftiger Pfeifton einer Trillerpfeife direkt in den Telefonhörer kann eine wirksame Methode sein, um den Anruf zu beenden oder weitere Anrufe des Täters zu verhindern.
  • Außerdem können Sie ihren Anrufbeantworter einschalten. Das Risiko, obszöne Nachrichten auf dem Band zu hinterlassen, gehen die Täter nämlich nur sehr selten ein.
  • Bei digitalen Telefonapparaten können Sie durch das Eingeben einer Tastenkombination (vgl. Bedienungsanleitung des Telefons) "Ruhe vor dem Telefon" haben. Dann können keine Anrufe mehr eingehen, Sie können jedoch selbst weiter anrufen.
  • Falls Sie den Anruf annehmen, sollten Sie nach Möglichkeit sehr ruhig und gelassen reagieren. Die Täter wollen durch ihre Anrufe provozieren, gelingt ihnen das nicht, sinkt das Risiko wiederholter Belästigungsanrufe.
  • Sie können bei der Telefongesellschaft eine neue Nummer (=Geheimnummer) beantragen oder eine Fangschaltung installieren lassen. Die Kosten müssen von Ihnen selbst getragen werden.
  • Es gibt über einige Telefonanbieter ein Sicherheitspaket, das das Programmieren bestimmter Sicherheitsfunktionen (z.B. Abweisung anonymer Anrufe) möglich macht.
  • (Informationen und Beantragung zum Beispiel bei der Telekom unter der kostenlosen Servicetelefonnummer 0800-330-1000).
  • Falls Sie per SMS belästigt werden, sollten Sie die Nachrichten aufbewahren, da sie eventuell als Beweise dienen können.
  • Sexuelle Belästigung am Telefon können Sie auch bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft anzeigen.
  • Über weitere Möglichkeiten beraten wir Sie gerne.

 

 

 

 

Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaft

Vergewaltigung in der Ehe und Partnerschaft gehört zu der häufigsten Form von sexualisierter Gewalt: Mehr als 50% aller Vergewaltigungen werden von dem Ehemann, Partner, von Ex-Ehemännern oder Ex-Partnern verübt. Opfer sind Frauen aus allen sozialen Schichten.

Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaft ist eine Straftat, die dem Bereich der sogenannten "häuslichen Gewalt" zugeordnet wird. Bei häuslicher Gewalt handelt es sich häufig um fortlaufende Gewalt an Frauen durch Männer. Meistens sind die Betroffenen mehreren Gewaltformen gleichzeitig ausgesetzt:

  • körperliche Gewalt (z.B. Schlagen, Treten, Würgen)
  • psychische Gewalt (z.B. Demütigungen, Beschimpfungen)
  • soziale Gewalt (z.B. Einsperren, soziale Isolation)
  • ökonomische Gewalt (z.B. Entzug von Haushaltsgeld, finanzielle Ausbeutung)
  • sexualisierte Gewalt (z.B. Zwang zu sexuellen Handlungen, Vergewaltigung)

Häusliche Gewalt eskaliert

Häufig bleibt die Gewaltanwendung durch den Partner kein einmaliges Ereignis. Die Opfer sind zu jeder Tages- und Nachtzeit bedroht. Gewalt in der Partnerschaft liegt meistens ein Kreislauf zugrunde, der immer wieder von neuem durchlaufen wird. In diesem wechselt der Täter Phasen von Gewalt und Phasen der Reuebekundung und Besserungsversprechen ab. Viele Frauen sind hin und her gerissen zwischen der Angst vor einer weiteren Misshandlung und der Hoffnung, dass sich der Täter wirklich ändern wird. In dieser Situation ist es für die meisten Frauen sehr verwirrend, dass sie ihren Partner in einem Moment als gewalttätig und im anderen Moment als liebevoll erleben. Die meisten Opfer wissen, dass der Gewalt nur durch eine Trennung ein Ende gesetzt werden kann. Auf der anderen Seite steht die Hoffnung auf eine harmonische Beziehung und intakte Familie oder auch eine finanzielle Abhängigkeit.

Zudem haben die Täter meistens über Jahre hinweg ein Abhängigkeitsverhältnis aufgebaut und ihre Partnerin sozial isoliert. Mütter wollen ihren Kindern oftmals eine Trennung und Scheidung ersparen. Den meisten Frauen fällt es sehr schwer, sich aus einer gewaltbestimmten Beziehung zu lösen.

Vergewaltigung in der Ehe ist eine Straftat

Vergewaltigung in der Ehe ist im Gesetz mit außerehelicher Vergewaltigung gleichgesetzt. Dennoch wird dieses Verbrechen in der Öffentlichkeit besonders tabuisiert. Viele Menschen gehen davon aus, dass eine Vergewaltigung am häufigsten durch fremde Täter verübt wird. Oftmals wird der Begriff "Vergewaltigung" vermieden , wenn der Ehemann der Täter ist. Und auch heute noch bestehen Vorstellungen, nach denen der Geschlechtsverkehr zur ehelichen Pflicht gehört.

Betroffene Frauen werden oftmals durch die Androhung oder Ausübung von körperlicher und seelischer Gewalt zum Geschlechtsverkehr gezwungen. Vergewaltigung in Ehe und Partnerschaft steht häufig am Ende einer Gewaltspirale, die sich immer wieder von neuem aufbaut. Sich hiergegen zu wehren, fällt den meisten Frauen sehr schwer. Die Folgen sind gravierend: Denn neben der Gewalt an sich, müssen die Betroffenen den erheblichen Vertrauensbruch und andauernde Erniedrigung erleiden.

Was können Sie als Opfer von häuslicher Gewalt tun?

  • Vergewaltigung in der Ehe ist strafbar. Sie können also Anzeige erstatten.
  • Sie können die Polizei verständigen.
  • Durch das Gewaltschutzgesetz müssen Sie der Gewalt nicht mehr weichen. Die Polizei und das Gericht können dem Täter verbieten, die gemeinsame Wohnung für einen bestimmten Zeitraum zu betreten. Außerdem können Näherungsverbote und Untersagung von Anrufen und anderen Belästigungen ausgesprochen werden.
  • Sie haben Anspruch auf Hilfe, egal für welche Möglichkeit Sie sich entscheiden.

Bei weiteren Fragen unterstützen und beraten wir Sie gerne.

 

 

 

 

Vergewaltigungen nach K.O.-Tropfen

K.O.-Tropfen sind flüssige Drogen

Hinter sogenannten K.O.- Tropfen können sich unterschiedliche Substanzen verbergen. Sehr häufig handelt es sich dabei um die Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB). Die Wirkung von GHB ist dosisabhängig und individuell sehr verschieden. In geringen Dosen kann GHB z.B. entspannend oder enthemmend wirken. Daher ist GHB auch unter dem Namen 'Liquid Ecstasy' und als 'Partydroge' bekannt. Doch auch geringe Mengen können bereits Benommenheit, Übelkeit und Bewusstlosigkeit hervorrufen. Zudem setzt die Droge das Erinnerungsvermögen außer Kraft.

Immer mehr Frauen und Mädchen werden Opfer von Vergewaltigung nach sogenannten K.O.-Tropfen

Es ist nicht neu, dass Drogen ganz gezielt eingesetzt werden, um Frauen und Mädchen zu vergewaltigen. Eine erhöhte Gefährdung geht von GHB und ähnlichen Substanzen aus, die einerseits immer leichter zugänglich und andererseits sehr schwer nachweisbar sind. Die Tropfen werden von den Tätern zumeist in das offenstehende Getränk des Opfers gegeben. Dies geschieht oftmals in Discotheken, Kneipen oder auf Partys. Darüber hinaus kann auch die eigene Wohnung zum Tatort werden. Die Täter können sowohl Fremde als auch Freunde, Partner oder andere Männer aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld sein.

K.O.-Tropfen machen zuerst willenlos und dann bewusstlos

K.O.-Tropfen kann man nicht sehen, nicht riechen und nicht schmecken. Frauen und Mädchen haben also kaum eine Möglichkeit, die heimlich zugeführten Tropfen in ihrem Getränk wahrzunehmen. Nach der Einnahme von K.O.-Tropfen merken betroffene Frauen und Mädchen zumeist nur, dass ihnen übel und schwindlig wird - so als hätten sie ausschließlich zuviel getrunken. Bereits vor dem Verlust des Bewusstsein machen die Tropfen willenlos und leicht manipulierbar. Dennoch können betroffene Frauen und Mädchen dann noch eine Weile lang normal reden und sich bewegen, ohne dass es für Außenstehende ersichtlich wird, dass sie bereits einen 'Blackout' haben. Diese Wirkungsweise erklärt, warum K.O.-Tropfen so häufig in öffentlichen Räumen verabreicht werden: Dem Täter bleibt Zeit, die betäubte Frau oder das Mädchen an einen anderen Ort zu führen.

Nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit haben die Opfer keine oder nur bruchstückhafte Erinnerung an das, was passiert ist. Die Täter zu belangen ist daher meistens sehr schwierig. Problematisch ist ebenfalls, dass K.O.-Tropfen nur für kurze Zeit in Blut und Urin nachgewiesen werden können.

Die Opfer müssen mit der Ungewissheit leben

Betroffene Frauen und Mädchen erwachen häufig an fremden Orten und haben keinerlei Erinnerung mehr daran, wie sie dort hingekommen sind. Viele Betroffene haben zunächst nur das vage Gefühl, dass etwas Seltsames geschehen ist oder sie spüren, dass es zu einem sexuellen Übergriff oder gar zu einer Vergewaltigung gekommen ist. Aus Angst, dass ihnen niemand glaubt oder ihnen ein hoher Alkoholkonsum unterstellt wird, vertrauen sich die meisten Frauen und Mädchen niemandem an. Besonders belastend ist für betroffene Frauen und Mädchen, dass sie mit dem Erinnerungsverlust und der bleibenden Ungewissheit leben müssen.

 

 

Wie merkt man, dass K.O.-Tropfen eingesetzt wurden?

Zeichen für eine Vergiftung durch K.O.-Tropfen können sein:
  • plötzliche Übelkeit und/oder Schwindelgefühle
  • Wahrnehmungsschwierigkeiten
  • Dämmerzustand (z.B. 'wie in Watte gepackt')
  • Gefühle der Willenlosigkeit
  • Einschränkung der Beweglichkeit bis hin zu Reglosigkeit
  • Erinnerungsstörung bis hin zu zeitweiligem Erinnerungsverlust

Was können Sie tun? Was kannst du tun?

  • Lassen Sie Ihr Glas nie unbeobachtet.
  • Besprechen Sie sich mit Freundinnen, dass Sie gegenseitig auf Ihre Gläser achten.
  • Nehmen Sie nur Getränke an, deren Weg Sie von der Theke an verfolgt haben.
  • Sein Sie sich bewusst, dass die Täter sowohl Fremde als auch Freunde sein können.
  • Zögern Sie nicht, die Disco oder eine Feier zu verlassen, wenn Sie sich dort nicht sicher fühlen.
  • Wenden Sie sich bitte an das Personal oder an Freundinnen, wenn Ihnen in der Disco, der Kneipe oder ähnlichen Zusammenhängen plötzlich übel, schwindlig oder dämmerig wird.
  • Suchen Sie bitte sofort einen Arzt auf, wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihnen K.O.- Tropfen verabreicht wurden.
  • Bei weiteren Fragen beraten und unterstützen wir Sie gerne.

 

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